Öffentlicher Nahverkehr

Da war der Mann, der sich nervös den Kaugummi in den Mund schob. Da war die Frau, die ihrer Freundin erzählte, es reiche ihr kaum zum Leben und später 60Euro Schwarzfahrer-Preis zahlen musste, weil sie das falsche Ticket gezogen hatte. Da war der verwirrte, alte Mann mit kleinen Trippelschritten, der sich bei mir nach dem Bus nach Pfullingen erkundigte, dann aber in den Eninger einstieg. Da war die Frau, die beim Aussteigen den Busfahrer anbrüllte, weil die Tür zu ging.“Macht allein“ rechtfertigte er sich schulterzuckend vor den übrigen Fahrgästen. Da war das Mädchen mit den schwarzen, glatten Haaren zum Pferdeschwanz, das Nachrichten in ihr Handy sprach, nicht tippte. In der Öffentlichkeit, am Bahnsteig. Da war die Unsicherheit beim Einstieg, ob ich meine Monatskarte beim Busfahrer zeigen müsste. Ich stieg dann als Dritte ein.
Da war der verregnete Dienstag, an dem ich eine halbe Stunde früher Schluss machte, um dann 45 Minuten im Regen auf den Bus zu warten. Dann war da der Busfahrer, der meinte, dass Rauchen ungesund sei. Dem ich erwiderte: im Regen stehen auch.
Da war der Mann mit einer Organ-Transportbox, der am Bahnsteig alle ermahnte nur in den dafür vorgesehenen Markierungen zu rauchen. Da war das Taubenpaar, das sich trotz der Stacheln ein Nest in den Stahlträgern des Hauptbahnhofs gebaut hatte.

„Wird schon irgendwie gehen“

Als Henning May am 23. September in Tübingen die erste Silbe singt, fang’ ich an zu flennen und die Hand meiner Freundin. Mays Stimme piekst mein Unterbewusstsein an, wie die Nadel das Ei, bevor es für fünf Minuten ins kochende Wasserbad geht. Damit sollte klar sein, mit wie vielen Emotionen dieser Text entstand. Ich bitte dies zu beachten. Genauer: Hier ist nichts objektiv und ich hab‘ auch keine Ahnung von Musik.

Weil ich mich noch von einer Nasennebenhöhlenentzündung erhole, legte ich erst heute das Debüt „Alles Nix Konkretes“ (ANK) von AMK auf. Die Kritik ob der Texte las ich in vielen Magazinen, Zeitungen – geschenkt. Ich war hoffnungsvoll, dadurch bliebe „mehr Stimme“ für mich. Vorbestellt, angezahlt, abgeholt – die limitierte Holzbox mit Vinyl und allerlei Schnickschnack. Erster Song: „Oft gefragt“, erste Reaktion: Oh Nein!

IMG_1532Rückblende: „Wohin Du gehst“ war ein Zufallstreffer bei YouTube – ähnlich, wie man auf russisches Telekolleg stößt. Vor zwei Jahren landete ich bei AnnenMayKantereit. War sofort angefixt, wie viele andere auch. Die Stimme, alter, diese Stimme! Damals noch kein Album, nur irgendwas scheinbar selbst zusammengepresstes auf CD – vergriffen. Die Jungs angeschrieben, um ein Exemplar gefragt, unbeantwortet geblieben. Egal. Fast eine für 260EUR bei eBay Kleinanzeigen gekauft. (Glücklicherweise liegt eine Neuauflage der Holzbox bei.) Dann kam die Ankündigung zum ersten Album. Konzert im Sudhaus Tübingen. Am Merch-Stand „Wird Schon Irgendwie Gehen“ (WSIG) auf Vinyl gekauft, gehört, geliebt. Das Problem: an diesen fünf Aufnahmen muss sich „Alles Nix Konkretes“ nun für mich messen.

Playlist WSIG: Jeden Morgen, 21 22 23, 3. Stock, Nicht nichts, Oft gefragt

„Oft gefragt“ – der Song für seinen Dad. Die Version auf dem Debüt ist deutlich langsamer, als auf  WSIG. Nicht das einzige Problem. War Mays Stimme auf WSIG noch so kraftvoll, genervt und ungebändigt ist sie jetzt auf ANK aalglatt. Scheint als seien alle Unebenheiten weggeschliffen worden. Der Eindruck des Songs ist nun ein anderer. Aus der „Ich Liebe Dich, aber nerv’ mich bitte nich’“-Attitüde wurde ein schmusiger Papa-Song ohne subtile Wut, ohne Profil, ohne Drive. Auf ANK wirkt er lahm, gewollt und als ob einmal zu oft, das Bügeleisen drüber geschoben wurde. Solange, bis auch wirklich die letzte Falte verschwunden ist. Nur erzählen Bügeleisen keine Geschichten, sondern die FALTEN!!!11

Das lässt sich 1:1 auch auf „Barfuß am Klavier“ übertragen. Jetzt ein hübscher, hipper Pop-Song ohne Gewicht und ohne Gebrüll. Nur leider nicht mehr das, was er mal war. Für mich. Wo ist denn die Leidenschaft für die Stagnation geblieben? Dieses wahrhaft wehleidige? Und auch „Wohin du gehst“ musste mächtig einstecken: melodischer, aber ohne Ecken und Kanten.

Es gibt eine Stelle im Album, die ließ mich aufatmen, weil er ausatmete: nach dem Schlussakkord in „Länger Bleiben“ atmet Henning hörbar laut aus – da ist es kurz, dieses „Echte“, dieses „Wir“ von dem sie die ganze Zeit reden.

In „3. Stock“ gewinne ich öfter den Eindruck, am Anfang des Satzes, weiß er gar nicht mehr wie die Strophe endet, so, als hangele er sich von Zeile zu Zeile. Den Wunsch mit ihr in eine Altbauwohnung zu ziehen, nehme ich ihm jetzt nicht mehr ab.

Ich bin enttäuscht, weil meine Erwartungen zu hoch gewesen sind. Ich weiß. Das Album ist eben nur solide.

Naja, wird schon irgendwie gehen.

Als Norddeutsche im Schwabenländle

Ein Jahr lang war ich in Tübingen nur Gast, seit wenigen Monaten ist die Universitätsstadt mein Zuhause. Man sagt, der Norddeutsche und der Schwabe seien sich gar nicht so unähnlich. Ich sage, das stimmt ABER! der Norddeutsche ist entspannter. 

Anfang November ’13 bin ich das erste Mal am Tübinger Hauptbahnhof aus dem Regionalexpress gestiegen – vier Tage Tübingen, bevor es wieder in den Norden gehen sollte. Weil Bahnhöfe eher einen internationalen Touch haben, ist mir der sprachliche Unterschied nicht sofort, sondern erst später in der Altstadt ins Ohr gegangen. Nicht nur einmal musste ich mich bei meiner Begleitung vergewissern, ob ich schwäbische Mundart höre oder ein ausländische Sprache.

Baden-Württembergs Claim ist nicht umsonst:

„Wir können alles, außer Hochdeutsch“

Hier „hebt man“ und hält dann etwas fest.

Man wünscht sich ein „Gutes Neues“ kein frohes.

Für die richtige Konsistenz von schwäbischem Kartoffelsalat gibt es ein wichtiges Kriterium: schlonzig. Kein Brei, aber eben auch ohne feste Stücke.

Menschen, die hier herziehen nennt man „Neigschmeckte“.

Karneval, wenn das dem Norddeutschen überhaupt wichtig ist (ist es nicht) – nennt man hier „Fasnet“. Ganz aktuell sind hier in der Region nun schon die Narren erwacht. Sie tragen Kostüme (sog. Häs) und Masken aus Holz, gruselig wenn ihr mich fragt. Die Narren sind in Zünften organisiert und die Häse werden in den Familien über Generationen hinweg weitergegeben.

Als Universitätsstadt ist die Stadt sprachlich bunt gemischt, und auch die schwäbische Mundart begegnet mir nicht jeden Tag. Wenn ich beruflich allerdings viel im Umland unterwegs bin, dann kann’s schon mal kritisch werden. Dann ist es gut, wenn ich einen heimischen Kameramann dabei habe. Als Dolmetscher.

Aber die Schwaben sind mehr als ihr Mund, wo sie es mit dem Hochdeutsch und der Sprache nicht so ganz genau nehmen, umso genauer nehmen sie es im Straßenverkehr. Ein Fahrradfahrer gehört auf die Fahrbahn, nicht auf den Fußweg –  wer einmal von der Straßenverkehrsordnung abweicht, riskiert quer über die Straße aus einem PKW heraus angebrüllt zu werden. Gleiches gilt für in der Richtung festgelegte Spuren für Radfahrer und Fußgänger. Folge immer dem Pfeil, immer.

Der Schwabe trennt Müll, OHJA! Auch wenn Müll nur eine Silbe hat und er diesen Wortwitz übrigens auch nicht lustig findet. Müll wird getrennt, und wenn der Hausmeister in der Haustonne falsch getrennten Müll findet, dann folgen zwei Zettel mit Ausrufezeichen, vor denen selbst Til Schweiger zurückschrecken würde.

Stationen aus dem Fenster heraus

Ein Gastbeitrag aus einem Zugabteil. Ein Retrospektive auf über 1000 Kilometer.

IMG_1993.JPGBinz Hauptbahnhof

Hier küss ich Dich.

Abschied, wie immer. Wer hat denn diese Landkarte entworfen?

Trost, wie immer: Land in Sicht.

Die Ruhe vor dem Streik.

 

Bergen

Unter der Leuchtreklame des Lichtspieltheaters hätte ich mir mit Dörte, Stefan und Linda Karten für „Pretty Woman“ gekauft. Arthouse ist hier nicht. Weder damals noch heute. Und danach mit den Mopeds an den Strand von Prora, vorne, wo die Touris nicht hinfinden. Die Hilfssheriffs auch nicht. Meereskulisse für unser Coming-of-Age – Buletten und Dosenbier, Ostseesand, Kieferngeruch, Herzmuscheln. Alle für einen, einer für alle.

[Du hast mir Lakritzschnecken ins Handgepäck geschmuggelt.]

Stralsund

Als Pionierin stand sie beim Appell immer in der ersten Reihe. „Seid bereit, immer bereit!“ an der POS „Karl Marx“. Davon hätte Frau Ratowski mir immer wieder erzählt, wenn ich ihren Zwergpinscher zweimal die Woche Gassi geführt hätte, um meinem mageren Studi-Geldbeutel sein Selbstwertgefühl wiederzugeben. Und von den Kaugummi-Deals nach dem letzten Klingeln. Und dabei hätte es nach Gulasch aus ihrer kleinen Plattenbau-Wohnung gerochen. Ich hätte sie gemocht.

Züssow

Einen Konsum mit Elke hätte Vater hier gehabt, unser eigenes kleines Geschäft. Provinz, aber Geschäft. Linden am Straßenrand. Über die Holpersteinstraße wären wir Jungs und Mädels auf unseren Rollern angerattert, künstlich rote Bonbons ohne Papier und Maracujabrause. Auf Simsons wir Halbstarken und Schönen, angeknattert, Club-Kippen und Bier aus braunen Flaschen ohne Etiketten. Warten, dass was geht und hören, wie der Wind rauscht und zugucken, wie wir wachsen.

Berlin-Gesundbrunnen

Wir würden mit Hipster-Bärten und in Naketano-Kleidern Kinderwagen unter’m Regenbogen durch den Volkspark schieben. Windeln würden wir wechseln, Zähne würden wir wachsen sehen, Spinat und Pastinakenreste von den Küchenwänden kratzen, Blick in den getaubten und geschwalbten Hinterhof, keine Zeit für Sinnfragen, Kolumnen nur in Milchhörnchenlänge.

Braunschweig

Zum Rudertraining wäre ich zwar alleine gegangen, aber mit Arne hätte ich die Nächte durchdiskutiert, geschwisterliche Hassliebe, in Wein und Nikotin und Electro getränkt, nicht mit Dir und nicht ohne Dich. Zum Wohl!

Hildesheim

Nach einem Unfall auf der Landstraße nach Großenlüder bei Glatteis wäre Philipp in den Rollstuhl umgezogen. Reha, Resignation, Reifeprozesse. Mittlerweile wäre die Routine beeindruckend, der Busfahrer ließe täglich um 7.53 an der Haltestelle vor dem Haus die Rampe runter.

Göttingen

3er-WG, Altbau, die taz auf’m Klo, Flimmerkiste wäre die ganze Nacht gelaufen, hätte mal wieder jemand vergessen auszuschalten, die Krümel im Bett, die Töpfe, Teller und Gläser von gestern kunstvoll gestapelt in der Spüle, die Fahrräder sicher im Keller seit das rote mit dem schönem Hollandlicht uns vor der Tür weggefräst worden wäre. Mit der lokalen Nabu-Gruppe hätten wir Info-Stände mit aufgebaut, auf dem Marktplatz. „Entschuldigen Sie, haben Sie ein Haustier? Was würden Sie sagen, wenn…“ Mit der Ornithologische Arbeitsgruppe hätte ich mich jeden zweiten Montag eines Monats um 19.00 Uhr in der Geiststraße 2 getroffen. Da wären Maria und Felix dann aber doch lieber Eis essen gegangen. Und hätten mir und Franziska Selfies geschickt. Hätten wir es verstanden? Hätten sie es verstanden?

[Rösti mit Apfelmus. Das mach ich mir zuhause nie.]

Mannheim

Seine Kanzlei wäre gegenüber gelegen, zwischen uns Lamellenvorhänge und die Straßenbahn, kurze gemeinsame Mittagspausen im Bistro, Lichtblicke im eintönigen Praxistrott. Ich hätte mir selbst leidgetan, ihm hätte es gefallen.

Kassel-Wilhelmshöhe

Irgendwann wäre es einfach nicht mehr gegangen und wir hätten Hanne das Albert-Kolbe-Heim zeigen müssen. Essen regional und bio, das Pflegepersonal engagiert und herzlich, die Grünanlagen wirklich weitläufig und vor der Tür wäre die 7 abgefahren. Wir hätten ihr versprochen, alles zu halten, die Besuche, das Vorlesen, der Tatort. Und dann hätte sie mit Pauline Kartoffeln zermanscht, in Soße, und die Erbsen hätte sie gezählt und die kleine Welt wär in Ordnung an diesem Tag.

[Entschuldigung, würde es Ihnen etwas ausmachen, ihr Telefonat im Gang weiterzuführen? Danke.]

Fulda

Laufen. Laufen. Weiterlaufen. Den Fluss und die Pappeln entlang, die Mensastufen hoch, wo hätt‘ ich gesucht, was hätt‘ ich gefunden? Den aufsteigenden Rauch zwischen geteerten Dächern, Spatzen auf den Antennen, Kräutergartenminiaturen auf Backsteinfensterbänken, Flieder an Fabrikmauern, Papier und Perspektiven. Lauterbacher Willkommen und Abschied hätten wir im Sommer immer gefeiert, verdrängt, weggespült die Ungewissheit über die Perspektiven – auf welches Blatt Papier pulsiert, festgepinnt, geworfen?

Hanau

Eine folgenschwere Begegnung in der Eissportarena wäre es gewesen, als wir ineinander gerauscht wären, trotz Pinguin. Grundsteinlegung für die Verlängerung ihres Auslandssemesters, ich wäre wie gemacht gewesen für diese Wanderseele.

[Kaffee, ohne Milch und Zucker. Kann ich den in einer Tasse haben bitte? Ich bleibe auch im Bordrestaurant, Sie bekommen sie zurück, keine Sorge. Danke.]

Frankfurt

„Bitte?“ „…“

Ich hätte Svenja den Wunsch nach einem Welpen nicht abschlagen können. Jeden Morgen, Mittag, Abend vier Pfoten auf dem Großstadtasphalt, durch Winterpfützen und brennend im August. Und dann wären wir Namen klauen gegangen, hätten zu viert am Brunnen auf dem Liebfrauenberg heimlich frischvermählten Umwälzungen gelauscht. „Oscar.“ „Oscar?“ „Eddy.“ „Eddy??“ „Paul ist auch ein schöner Name.“ „Den hat doch jeder.“ „Aber…“ SubstandardFullSizeRender

 

Stuttgart Hauptbahnhof

Hier sehn‘ ich mich.

Wer hat denn dieses Leben entworfen?

Lokalfernsehen – „Das versendet sich.“

Es gibt Print, es gibt Online und es gibt TV – und es gibt Lokal-TV. Kennt ihr, guckt ihr nur nicht. Geht mir nämlich auch so, nur leider produziere ich genau diesen Kram, den wir uns alle gemeinsam nicht anschauen. Über die Journalisten sagt man, niemand schreibt sich so gut ins Grab wie sie – Desks werden zusammengelegt, Redakteure werden entlassen, gibt es noch Foto-Journalisten die angestellt sind?

Print geht es eher so mittel, schaut man sich die Auflagenzahlen an oder die Vorstellungen davon, was Reporter morgen leisten sollen – hier ein Foto, da ein Handyvideo – vor allem Lokalblätter sterben die Abonnenten weg und die Generation die nachkommt, versteht nicht 60EUR für „Content“ zu zahlen, den man auch kostenlos im Netz lesen kann. „Cross-Media“ ist das Zauberwort. Nicht. Und trotzdem haben Lokalblätter oft einen Vorteil: in wenig dichtbesiedelten Gebieten sind sie die Einzigen mit einem Printangebot. Und oft gehört ihnen auch noch das wöchentlich erscheinende Anzeigenblatt.

Und genau das ist Lokal-TV – ein Anzeigenblatt in der Flimmerkiste. Mit umgeschrieben Pressemitteilungen und bunten Werbetafeln in der Mitte.

Ich sage nicht „Lokalfernsehen ist schlecht gemacht.“, ich sage auch nicht „Die Themen sind langweilig.“ Okay, das sag‘ ich schon oft, aber das zu Verallgemeinern wäre beleidigend gegenüber all meinen Kollegen, die jeden Tag abdrehen, um Lokalfernsehen spannend, infomativ und meinungsbildend über den Äther zu bringen. Lokalfernsehen hat nur einen existenzbedrohenden Nachteil  – es muss sich am Look, am Image, an der Aufbereitung jeden Tag an „den Großen“ messen lassen – und es fehlt dazu nicht nur an Geld, sondern leider auch an Know-How.

Zwischen ARD und RTL – „oh, Tagessschau, naja weiter. Hö(?), gema-freie Musik auf ein Standbild, hö(?)weiter. Oh, Bauer sucht Frau“ (verliert die Fernbedienung in der Sofaritze)

Lokalfernsehen steckt in einer Krise, die in der Öffentlichkeit fast nicht thematisiert wird.

Wir finanzieren uns mit Werbeeinnahmen. Wer aber wirbt bei uns, wenn wir ein furchtbares Werbeumfeld haben, weil die Kameras nur 4:3 aufzeichnen? Und woher nehmen wir das Geld um unzurüsten, wenn keiner bei uns werben will?

Wird fortgeschrieben…

 

Ein Möwenherz fliegt jetzt über den Neckar

Ich bin an der Ostsee geboren. Auf Rügen. In einem Ort, in dem sich die Touristen im Sommer gegenseitig in die Hacken treten und im Winter promenaden-zerstörerische Wildschweine die einzige Attraktion sind.

IMG_1507
Zuhauuuuse

Seit ich arbeiten kann, verdiene ich mein Geld im TV-Journalismus. Das dafür nötige Studium in Berlin habe ich im Schnelldurchlauf absolviert – nicht etwa, weil ich sehr strebsam war, eher, weil Berlin für mich eine prägende Stadterfahrung gewesen ist. Sie bündelt für mich alle schlechten Eigenschaften einer Stadt. Mein Stresslevel steigt bis in meine Stirnhöhle, sobald ich aus der Bahn steige und am Hauptbahnhof stehe.

Ich will nie wieder nach Berlin.

IMG_1915
Wie schön das wär, läg‘ Tübingen am Meer.

Und das muss ich auch nicht. Ich hab‘ mich zu meiner Liebe an das Neckarufer gesetzt. Sie schwimmt, ich lese die Zeitung. Im Sommer essen wir Kirschen in der sengenden Morgensonne. Nur dann wünsche ich mich manchmal an das Ufer der Ostsee zurück. Ein frischer Wind, eine steife Brise weht hier nämlich nicht.